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Do

15

Sep

2011

De vuelta en Alemania

Am Anfang war es doch sehr komisch wieder in Deutschland zu sein. Irgendwie war alles wie immer, und doch anders. Man selbst hat sich verändert in dem Jahr, hat Erfahrungen gesammelt und ist um gefühlte 3 Jahre gereift. Doch auch die Menschen hier in Deutschland haben sich verändert. In die Gesellschaft hier wieder reinzuwachsen ist gar nicht so einfach wie man es sich vielleicht vorstellt. Das fängt schon damit an, dass ich  am Anfang immer total verunsichert war was das Begrüßen von Freunden und Bekannten anging. Umarmung, Hand geben, nur Hallo sagen? In Argentinien gab es einfach für jeden ein Küsschen, egal ob Freund, Verwandter, Chef, Pfarrer, Nachbar. Gerade deshalb kommt es mir oft so vor, als seien hier die Beziehungen zwischen den Menschen so kalt und überhaupt nicht herzlich. Obwohl das ja gar nicht unbedingt stimmt. Es ist eben eine andere Kultur. Und es ist ja nicht so, dass in Deutschland alles schlecht ist und in Argentinien alles toll oder umgekehrt. Es hat alles seine Vor- und Nachteile. In Argentinien lernt man schnell aus den gegebenen Umständen einfach das Beste zu machen. Und man bekommt alles immer irgendwie hin, auch wenn es vorher total ungeplant war. Mit etwas Kreativität und Spontanität ist das überhaupt kein Problem. Da frage ich mich hier in Deutschland schon manchmal warum man sich so einen Stress macht, alles bis ins kleinste Detail zu Planen. Allerdings ist der Unterschied einfach, dass man hier bis ins kleinste Detail planen kann und es funktioniert dann meistens  auch so wie man es geplant hat. In Argentinien kann man es zwar Planen, aber höchstwahrscheinlich kommt irgendwas dazwischen und es läuft am Ende eh ganz anders. Also plant man einfach nicht so genau und letztendlich passt es dann schon irgendwie. Ich vermisse hier außerdem oft die Gelassenheit der Leute und immer wieder fallen mir Sachen auf, die mir vorher nie so bewusst waren. Beispielsweise was für ein Luxus es ist nicht die ganze Zeit Angst haben zu müssen, dass einem die Tasche geklaut wird oder dass man überfallen wird. Ich glaube es wird noch eine Weile dauern, bis ich mich in Deutschland wieder hundertprozentig eingelebt habe, aber so wie ich Zeit gebraucht habe mich in Argentinien einzuleben, brauch ich diese eben jetzt auch hier.

 

El futuro

Ich habe lange überlegt wie es nach meinem Jahr nun mit mir weitergehen soll und wusste nicht, ob das was ich immer so geplant hatte wirklich das Richtige für mich ist. Doch wenn ich ehrlich bin, war ich mir die ganze Zeit schon ziemlich sicher, was ich machen möchte. Obwohl mir die Arbeit im sozialen Bereich unglaublich viel Spaß macht geht es jetzt in eine ganz andere Richtung. Ab Oktober werde ich Wirtschaftsingenieurwesen in Karlsruhe studieren, worauf ich mich momentan auch schon sehr freue. Natürlich weiß ich nicht so genau was jetzt auf mich zukommt, aber ich lasse mich einfach mal überraschen und dann werden wir sehen ob es mir gefällt oder nicht. Bei einer anderen Sache aber bin ich mir sicher: In meiner Freizeit möchte ich auf jeden Fall weiter im sozialen Bereich arbeiten.  J Und ich möchte den Kontakt nach Argentinien halten, denn das Land und die Leute sind mir einfach unglaublich ans Herz gewachsen. Ich überlege schon, wann ich mal wieder nach Südamerika reisen kann, auch wenn mir bewusst ist, dass das wohl noch eine Weile dauern wird. Aber vielleicht klappt es ja während dem Studium nochmal. Die Uni in Karlsruhe hat nämlich eine Partneruni in Buenos Aires.

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Mi

17

Aug

2011

4 semanas para disfrutar

Mitte Juli hatten wir unser Abschlussseminar in Baradero. Wir Freiwilligen der IERP haben uns noch ein letztes Mal alle zusammen getroffen um über die Erfahrungen, die wir in dem Jahr gemacht haben zu reden und uns auszutauschen. Natürlich mit ein bisschen Wehmut, denn schon in der Woche nach dem Seminar ging es für einige nach Hause. Ich hatte Glück und hatte erstmal noch 2 Wochen Ferien, denn mein Projekt hatte in den Winterferien kein Programm. So konnte ich die Zeit nutzen um mir noch einmal die schönsten Plätze in Buenos Aires anzuschauen, den Flair der Stadt zu genießen, einen Kaffee mit Freunden trinken zu gehen und auch noch ein paar Sachen zu machen, zu denen ich vorher einfach keine Zeit hatte, wie beispielsweise auf der größten Landwirtschaftsausstellung Südamerikas „La Rural“ vorbeizuschauen oder das ein oder andere Projekt in Buenos Aires zu besuchen. Außerdem hatte ich so auch Zeit, einige Freiwillige mit zum Flughafen zu begleiten und so verging die Zeit bis zu meinem eigenen Abflug rasend schnell. Trotz der ganzen Abschiedsfeiern und Verabschiedungen war es schwer zu realisieren, dass dieses außergewöhnliche und schöne Jahr nun zu Ende sein sollte. Nach den Ferien war ich zudem nochmal 2 Wochen im Projekt und gerade in diesen 2 Wochen hat sich alles so normal angefühlt. Die Fahrt in den Sembrador, das barrio (Stadtviertel), die Arbeit im Kindergarten, das Einkaufen im Chino. Ich kannte die meisten Leute, die mir bei meinem Weg durchs barrio begegnet sind, war hier ein bisschen Mate trinken und dort ein bisschen zum Plaudern. Ich habe mich gerade in den letzten Wochen unglaublich wohl gefühlt und obwohl  der Abschied immer präsent war, war er doch irgendwie unwirklich. Selbst am Tag meines Abflugs konnte ich es noch gar nicht glauben. Obwohl es mir doch irgendwie bewusst war, denn vor allem der Abschied von meiner Mitbewohnerin Tamara und von den 2 Kindergärtnerinnen ist mir unglaublich schwer gefallen. Zum Glück hatte ich die anderen deutschen Freiwilligen von meiner Organisation auf dem Rückflug mit dabei, so war ich abgelenkt und bin nach einem sehr ruhigen Flug gut in Frankfurt gelandet.

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Fr

22

Jul

2011

Ein Jahr neigt sich dem Ende

Invierno en Argentina

Genauso wie es ungewöhnlich war Weihnachten im Sommer zu feiern, war es ungewöhnlich meinen Geburtstag im Winter zu feiern. Wer jetzt dachte in Argentinien ist es das ganze Jahr warm, hat sich getäuscht. Natürlich ist der argentinische Winter nicht ganz so kalt wie der deutsche, aber man braucht schon eine Winterjacke, einen dicken Schal und ab und zu mal Handschuhe um nicht zu erfrieren. Dazu kommt noch, dass dort die wenigsten Wohnungen Heizungen haben, so ist es manchmal wirklich bitterkalt und es gibt eigentlich keinen Unterschied zwischen Außen- und Innentemperatur.  Doch zwischendurch gab es den ganzen Winter über immer wieder kleine Lichtblicke: Tage an denen man im T-Shirt raus konnte. Es war so warm, dass man kaum glauben konnte, dass wir uns im tiefsten Winter befinden. Manchmal war es schon komisch: Da war es im argentinischen Winter wärmer als im deutschen Sommer. J Winter heißt aber auch Unwetter. Und zwar solche wie ich sie noch nie zuvor gesehen habe. Es kann morgens die Sonne scheinen und innerhalb von 10 Minuten zieht es total zu, der Himmel wird rabenschwarz und man beeilt sich lieber schnell ins Haus zu kommen, denn gemütlich ist es draußen, wenn das Gewitter mal richtig anfängt, keinesfalls. Einmal hat es so geregnet, dass die ganzen Straßen überschwemmt waren und ich, um zum Bahnhof zu kommen, durch einen knöcheltiefen Fluss waten musste. Dass das Wasser nicht abfließt, liegt vor allem am argentinischen Abwassersystem, das eigentlich kaum besteht. So sammelt sich das Wasser in den Straßen und es dauert ewig bis es abgeflossen ist. Deshalb stehen öfters auch mal Unterführungen unter Wasser und Autos müssen, um eine Unterführung durchqueren zu können, durch einen halben Meter tiefen See fahren, in der Hoffnung, dass sie drinnen trocken bleiben. Diese enormen Unterschiede des Wetters waren echt unglaublich. Regen heißt auch, dass im Sembrador nicht viel los ist, denn die Erdstraßen sind dann total schlammig und wenn man nicht muss, verlässt man das Haus dann auch nicht. Denn man ruiniert sich seine Schuhe schon, wenn man nur ein cuadra läuft und so gab es einige Tage im Kindergarten, an denen wir nur ganz wenige Kinder hatten. Das war natürlich sehr entspannt und echt wunderschön, da es so auch nicht so viel zu tun gab und ich die ganze Zeit mit den Kinders spielen durfte J

Y? Ya encontraron un pastor para el Sembrador?

Und? Wurde schon ein Pfarrer für den Sembrador gefunden? Das waren Fragen die ich vor allem in den letzten Monaten bei jeder Besprechung mit Peter gestellt habe. Und fast schon zu erwarten war die Antwort fast immer: Nein, leider immer noch nicht. Seit Ende letzten Jahres ist man nun auf der Suche, doch gefunden wurde immer noch niemand. Das macht alles natürlich nicht gerade einfacher. Viel ist nicht so gelaufen wie man es sich wünscht, aber trotzdem haben wir versucht das Beste daraus zu machen und dem Projekt soweit Struktur zu geben, dass ein Nachfolger einen leichten Einstieg hat. Vor allem ich habe versucht meine Angebote so aufzubauen, dass meine Nachfolgerin sie weiterführen kann.  Es ist so schwierig etwas aufzubauen das langfristig bestehen soll, das ist mir im letzten Jahr ziemlich bewusst geworden. Und doch wollte ich unbedingt, auch wenn es nur für die letzten Monate war, Programmpunkte für die Menschen dort anbieten. Im Nachhinein kann ich sagen, dass es die Beste Entscheidung war, die ich hätte treffen können. Zur Nachhilfe kamen immer echt viele Kinder, wir haben spielerisch Mathe geübt oder Schreiben gelernt, ich habe versucht den Kindern die englische Sprache näher zu bringen und manchmal haben wir zusammen auch Deutsch gelernt. Es war wirklich nicht immer einfach und hat schon sehr viel Kraft und Vorbereitungszeit gekostet, aber man wurde auch entlohnt für die ganze Mühe. Oft waren es nur Kleinigkeiten, wie zum Beispiel wenn die Kinder schon bevor ich da war angefangen haben das Englisch-Memory zu spielen. Oder wenn mir eines der Mädchen mit der ich Dividieren geübt habe mir nach längerer Lernpause erzählt, dass sie Dividieren vermisst. Natürlich hat man die Fortschritte in Mathe am meisten gesehen, doch auch in Englisch hatte ich das Gefühl, dass  zumindest ein paar Sachen hängengeblieben sind. Auch wenn es oftmals nur die Farben, die Zahlen bis 15 oder die Uhrzeiten waren. Doch jeder kleine Fortschritt bedeutet so viel und allein schon, dass sie von sich aus lernen wollten ist unglaublich toll und erfüllt mich mit Freude und Stolz. Was mich auch wirklich gefreut hat, war, dass einige Kinder nun in den Sembrador gekommen sind, die vorher noch nie an Programmpunkten dort teilgenommen haben. In der Nachhilfe kamen viele neue Kinder und auch beim Samstagsangebot war jeden Samstag noch ein andere Cousin oder Bruder bei vielen dabei. Gerade deshalb ist es mir auch unglaublich schwer gefallen gerade jetzt zu gehen, wo man endlich einmal das Gefühl hatte, es läuft.

 

 

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